Homeoffice - neue Chancen, neue Herausforderungen

Werden künftig all jene Jobs, bei denen Homeoffice möglich ist, von zuhause verrichtet? Aktuell erleben wir eine Verschiebung von der Präsenz- hin zur Ergebniskultur in der Arbeitswelt. Homeoffice ist zu einem Massenphänomen geworden. Im folgenden Beitrag erklären wir dir, wie du deine Kompetenzen stärkst, um den neuen Anforderungen des mobilen Arbeitens gerecht zu werden und wir zeigen dir, welche Chancen sich dadurch sowohl für Unternehmen als auch für Angestellte ergeben.

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Verrauchte Cafés und angeregte Gespräche über Gott und die Welt: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Pariser Cafés zum Treffpunkt der sogenannten Bohème. Diese Bohème bestand überwiegend aus Freiberuflern – Künstler und Intellektuelle, die sich mit ihrer Lebensführung gegen bestehende gesellschaftliche Normen wendeten und den Traum von einer anderen Gesellschaft diskutierten und auch bereits lebten. Viele dieser damals neuartigen und unerhörten Ideen sind für uns heute gesellschaftliche Normalität. Daher wundert es nicht, dass Sascha Lobo und Holm Friebe in ihrem 2006 erschienenen Buch „Wir nennen es Arbeit“ den Begriff der Digitalen Bohème auf heutige mobil arbeitende Freelancer ummünzen. Diese Digitale Bohème hat genug vom engen Korsett der Festanstellung und sieht die Selbstständigkeit als Königsweg zu mehr Freiheit und Autonomie in der Arbeitswelt. Sie will ihre persönlichen Werte nicht mehr an der Garderobe zur Arbeit abgeben, sondern auch ihren Beruf als sinnerfüllt erleben. Arbeit, verstanden als reiner Broterwerb, genügt der digitalen Bohème nicht mehr. Ohne die Entwicklungen der Digitalisierung in den vergangenen Jahren wäre dieser Wandel in der Arbeitswelt wohl nicht möglich gewesen.

Digitale Nomaden

Seit Erscheinen des Buches von Lobo und Friebe hat die Digitalisierung weitere Quantensprünge gemacht, sodass, ebenso wie damals bei der Pariser Bohème, aus den Ideen einiger fortschrittlicher Köpfe gesamtgesellschaftliche Modelle entstanden sind. Sogenannte Digitale Nomaden, also Menschen, die selbstständig und ortsungebunden arbeiten und währenddessen in der Welt herumreisen, werden immer häufiger. Auch in Deutschland ist die Zahl der Selbstständigen in freien Berufen eine Kurve, die steil nach oben geht. Laut statista.com lag die Zahl Anfang 2020 bei 1,45 Millionen Selbständigen in Deutschland, während es 1992 knapp ein Drittel davon gewesen ist. Ob nun Influencer*innen in Australien oder Texter*innen in Südostasien, die mit ihrem Laptop am Strand sitzen: Der Trend zum mobilen Arbeiten nimmt mehr und mehr zu. Ein Berufsleben an dem immer gleichen Arbeitsplatz zu den immer gleichen Arbeitszeiten, wie es unsere Großmütter und Großväter noch geführt hatten, wird immer seltener. Stattdessen wird Arbeit, losgelöst von engen Vorschriften die Zeit und den Raum betreffend, immer flexibler. Was also noch vor ein oder zwei Generationen undenkbar gewesen ist, wird heute mehr und mehr zum normalen Arbeitsalltag.

Neue Herausforderungen

Das Homeoffice ist jedoch längst nicht mehr nur für Selbstständige zu einem Teil des Arbeitsalltags geworden. Auch mehr und mehr Unternehmen bieten ihren Angestellten Optionen zum Homeoffice an. Insbesondere die Corona-Pandemie hat zu einem enormen Schub der Digitalisierung und des mobilen Arbeitens geführt . Im ersten Lockdown im April 2020 arbeiteten ganze 27%, also mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer*innen in Deutschland, (vorübergehend) im Home Office. Auf einmal war das vorher Undenkbare Alltag geworden. Unternehmen wie auch Angestellte mussten sich jedoch erst mit dieser Umstellung und den daraus erwachsenden neuen Anforderungen arrangieren: Wie kommuniziert man möglichst effizient auf digitalem Wege? Welche Apps und Programme lassen sich am besten für Meetings oder zur Erteilung von Arbeitsaufträgen benutzen? Welche Risiken birgt das Arbeiten von zuhause? Einige Arbeitnehmer*Innen vermissten den persönlichen Kontakt zu anderen Kolleg*innen und fühlten sich einsam, andere sahen die Gefahr, dass Freizeit und Arbeit allzu sehr verschwimmen könnten oder dass Vorgesetzte nun durchgehende Erreichbarkeit von ihnen verlangen würden.

Neue Chancen

Für einige kam dieser durch die Krise erzwungene Wandel womöglich etwas plötzlich. Insgesamt aber stehen viele Menschen dem Homeoffice als neuem Arbeitsmodell sehr positiv gegenüber. Dass sich mit der fortschreitenden Digitalisierung auch die Einstellung der Menschen zu neuen Arbeitsmodellen verändert hat, lässt sich bei der aktuellen Diskussion über ein mögliches gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice ablesen: So liegt die Zustimmung für ein solches Recht auf Homeoffice in Deutschland bei ganzen 73%. Viele Arbeitnehmer*innen schätzen demnach die Flexibilität und die größere Autonomie, die sich durch das ortsungebundene Arbeiten ergibt. Ihre Arbeitszufriedenheit stieg im Vergleich zur früheren, ortsgebundenen Arbeit, an. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, so wie eine generell verbesserte Möglichkeit zur Work Life Balance spielen hierbei eine große Rolle. Durch Wegfallen von Pendelstrecken oder Geschäftsreisen bleibt mehr Zeit für Freunde und Familie. Was bei den Arbeitnehmer*innen größtenteils gut ankommt, scheint bei den Führungskräften einiger Unternehmen allerdings noch Bauchschmerzen auszulösen. So stehen viele Unternehmen dem mobilen Arbeiten aktuell noch skeptisch gegenüber. Dies spiegelt sich auch in den Stellenausschreibungen wider: So liegt der Anteil der Stellenanzeigen mit Homeoffice-Option aktuell nur bei 1,5%.

Produktivitätssteigerungen durch mobiles Arbeiten

Fehlendes Vertrauen und eine überholt erscheinende Präsenzkultur in den Unternehmen sorgen bei Führungskräften für große Vorbehalte dem Homeoffice gegenüber. Tun die Angestellten auch wirklich das, was sie tun sollen, wenn ihnen niemand mehr über die Schulter blickt? Diese Skepsis scheint jedoch größtenteils unbegründet. Mehr noch, das Gegenteil scheint der Fall zu sein. So zeigte eine 2-jährige Studie der Stanford Universität, dass die Produktivität durch das Arbeiten von zuhause aus enorm gesteigert werden konnte. Anstatt dass sich Angestellte zuhause auf die faule Haut legten, wurden ihre Arbeitsleistungen also besser als zuvor im Büro. Die Möglichkeit, von verschiedenen Plätzen aus zu arbeiten, sorgt auch für mehr Kreativität. Das Brett vorm Kopf, das durch den immer selben Arbeitsplatz entstehen kann, kann durch flexibles Arbeiten weggenommen werden.

Neue Kompetenzen werden notwendig

Um die Vorteile, die sich aus dem Homeoffice ergeben, auch wirklich nutzen zu können, muss sich also auch in den Unternehmen ein Wechsel von der Präsenz- hin zur Ergebniskultur vollziehen. Vertrauen statt Kontrolle heißt die Parole. Führungskräfte sollten ihren Blick von der starren 9 to 5 Regel abwenden und ihren Fokus stattdessen auf die tatsächlichen Ergebnisse richten, die Angestellte während ihrer Arbeiten erzielen. Um diesen Wandel in der Unternehmenskultur zu vollziehen, lohnt sich ein Blick auf die Kompetenzen, die sowohl Arbeitgeber*Innen wie auch Arbeitnehmer*Innen mitbringen bzw. erwerben müssen, damit das Homeoffice ein allgemeiner Erfolg für alle Seiten wird. Seitens der Führungskräfte gilt es, gegenüber den Angestellten zum einen das nötige Vertrauen aufzubringen und dieses Vertrauen zum anderen auch zu kommunizieren. Dieser Vertrauensvorschuss allein sorgt bei einigen Angestellten bereits für einen Motivationsschub. Vertrauen ist eben doch in manchen Fällen besser als Kontrolle. Eine weitere wichtige Frage ist natürlich, wie Leadership online gelingen kann. Spezielle Trainings für Führungskräfte können hierbei helfen, die geeigneten Methoden zu finden, um das Team zusammenzuhalten, auch wenn es sich physisch an verschiedenen Orten befindet.

Kommunikation und Selbstorganisation

Seitens der Angestellten ist die wohl wichtigste Kompetenz, um im Homeoffice zu arbeiten, eine angemessene Selbstorganisation. Zu dieser Selbstorganisation gehört einerseits, dass man sich zu einem viel größeren Teil selbst den Rahmen stecken muss, wann was abgearbeitet wird. Man muss sich zuhause eine Arbeitsatmosphäre erzeugen, ohne von den Alltagsaufgaben, die ein zuhause mit sich bringt, abgelenkt zu werden. Andererseits gehört zu einer gelungen Selbstorganisation, dass man einen souveränen Umgang mit digitalen Office-Anwendungen entwickelt. Erst wenn beide Seiten, also sowohl Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber, in diese Kompetenzen hineingewachsen sind und sich an die Kommunikation über digitale Medien gewöhnt haben, kann ein gutes digitales Arbeitsumfeld entstehen. Ein ökonomischer Vorteil, der sich für die Unternehmen dabei quasi ganz nebenbei ergibt, sind die wegfallenden Mieten für Büroräumlichkeiten. Analog dazu sparen Angestellte, da sie für Zugtickets, Spritkosten oder den Pausensnack vom Bäcker kein zusätzliches Geld mehr aufbringen müssen. Außerdem bietet das Homeoffice mehr Möglichkeiten, nach dem eigenen, individuellen Biorhythmus zu arbeiten. Nachteulen müssen also morgens nicht mehr mit Augenringen im Büro erscheinen, sondern können selbst die Zeiten bestimmen, in denen sie am besten arbeiten können. Selbstredend bietet sich Homeoffice nicht für alle Jobs an. Der Heizungsinstallateur ist vermutlich besser beraten, seine Kund*innen nicht über Zoom anzuleiten, wie die Heizung denn nun installiert werden soll. In den Bereichen jedoch, in denen das mobile Arbeiten eine gangbare Option darstellt, wie zum Beispiel in Wissensberufen, setzt es sich auch mehr und mehr durch. Unternehmen sollten die Chancen nicht verpassen, die sich aus dieser Entwicklung ergeben.

Ein historischer Wandel

Das mobile Arbeiten hat also die Arbeitswelt transformiert, und wir können diese Veränderung momentan hautnah miterleben. Doch nicht nur innerhalb der Arbeitswelt selbst hat das Homeoffice für einen historischen Wandel gesorgt: Ein riesiger Vorteil, der sich gesamtgesellschaftlich gesehen durch das Homeoffice ergibt, ist der Aspekt der Nachhaltigkeit des mobilen Arbeitens. Indem Millionen von Angestellten von zuhause arbeiten und nicht mehr durch die Welt pendeln, führt dies zu weniger Verkehrsaufkommen. Laut einer Studie von Greenpeace könnten rund 5,4 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß im Verkehr eingespart werden, würden 40% der Arbeitnehmer*Innen an nur zwei Tagen in der Woche im Homeoffice arbeiten.

Welche Bilanz lässt sich also aus diesen Entwicklungen ziehen? Zwar werden uns Jobs mit Anwesenheitspflicht wohl noch einige Zeit begleiten, auch, weil Homeoffice nicht für alle Branchen geeignet ist. Der Trend allerdings geht hin zum mobilen, selbstbestimmteren Arbeiten. Unternehmen wie auch Angestellte sollten nicht versäumen, sich die neuen Kompetenzen anzueignen, die ein Umgang mit den digitalen Medien erfordert. Wir hoffen, dass wir dir einige wertvolle Hinweise und Impulse mit auf den Weg geben konnten, die dir das ortsungebundene Arbeiten erleichtern.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem mobilen Arbeiten gemacht? Wie zufrieden seid ihr mit dieser Möglichkeit des neuen Arbeitens? Dazu haben wir eine kleine Umfrage vorbereitet. Klickt auf den Link und teilt eure Meinungen mit uns. Die Ergebnisse werden wir in einem separaten Blogbeitrag veröffentlichen. Wir sind gespannt!

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