Berufliche Netzwerke richtig nutzen / Teil 1

Teil 1: Warum das persönliche Netzwerk Voraussetzung für beruflichen Erfolg ist.

Hier wollen wir uns der Frage widmen, warum und wie man sich beruflich vernetzen sollte. Dafür gehen wir im ersten Teil dieses Beitrages darauf ein, was berufliche Netzwerke sind und warum networking so wichtig ist. Im zweiten Teil werden wir dir dann die Online-Karrierenetzwerke XING und LinkedIn vorstellen und dir Tipps geben, wie du diese erfolgreich für dich nutzt.

Berufliche Netzwerke

Bildbeschreibung: Gelber Hintergrund mit weißer Sprechblase darauf. In der Sprechblase steht: Netzwerke richtig nutzen Teil 1

Los geht es nun also mit den Fragen: Warum Netzwerken, wie Netzwerken? Du kennst ja bereits deine Positionierung und weißt, wie wichtig dein persönliches Nutzenangebot ist. Warum also solltest du dich überhaupt noch beruflich vernetzen und andere Leute aus deiner Branche kennenlernen? Wofür lohnt es sich, ein eigenes Netzwerk aufzubauen?

Der Mythos vom erfolgreichen Einzelkämpfer

Nur, zunächst einmal weil die vielerzählte Geschichte vom erfolgreichen Einzelkämpfer ein Mythos ist. Diesen hat es nie gegeben und Unternehmer*innen, die das von sich behaupten, übersehen einfach, wie die Gesellschaft, ihre Angestellten und Kolleg*innen sie im Grunde mit voran gebracht haben. Das liegt daran, dass gerade in der heutigen Welt niemand alles wissen kann. An einem Unternehmen sind vielleicht zwanzig oder mehr Mitarbeiter*innen mit bestimmtem Know-How angestellt und Steuerberater*innen und andere Dienstleister*innen erhalten regelmäßig ihre Aufträge. All das spielt am Ende eine Rolle für den Erfolg des Unternehmens. Und auch erfolgreiche Fachkräfte bekommen ihre Neuigkeiten über Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten nicht aus dem Nichts, sondern über ein gut funktionierendes Netzwerk aus Kollegen, Unternehmen und Vorgesetzten. Ob nun bei der Jobsuche oder auch in deinem Job: Berufliche Netzwerke sind das A und O für Erfolg in deiner Karriere.

Warum Netzwerken heute essentiell ist

Die Arbeitswelt ist heutzutage im stetigen Wandel und so ist es für beruflichen Erfolg nicht ratsam, einmal etwas zu lernen und dann nie wieder was Neues zu beginnen. Ständige Weiterentwicklung ist der Schlüssel zu wirklicher Sicherheit im Berufsleben. Suche den Kontakt zu anderen Leuten in deiner Branche. Der Aufbau von deinem beruflichen Netzwerk ist ein integraler Bestandteil deiner Karriere, denn:

• Du tauschst dich über empfehlenswerte Arbeitgeber, Gehälter, Weiterbildungen und Karriere-Erfahrungen aus.

• Ihr lobt und empfehlt euch gegenseitig bei wichtigen Stellen und pusht so gegenseitig eure Karriere.

• Ihr nehmt eure Dienste gegenseitig in Anspruch, wodurch der jeweils andere seine Fähigkeiten vertieft und dadurch auch sein Nutzenangebot.

• Multiprofessionelle Teams sind in der Lage, sich einer stark verändernden Arbeitswelt anzupassen und sich gegenseitig zu unterstützen. Beziehungen sind nicht nur das berühmte Vitamin B, sondern auch das A und O bei Jobeinstieg, Beförderung und Auftragsvergabe.

Kurz: Netzwerken heißt, sich gegenseitig zu helfen und diesen Helferkreis immer weiter auszubauen. So weit so gut. Aber bedeutet das jetzt, sich hemmungslos bei Leuten einzuschmeicheln und sie quasi Kontakt für Kontakt anzupumpen? Wir können dich beruhigen: Du darfst weiterhin du selber sein, deinen Interessen nachgehen und musst auch mit niemandem netzwerken, den du nicht magst. Wertvolle Kontakte ergeben sich daraus, dass du etwas tust, was du gut kannst und deine Erfolge daraus zeigst und kommunizierst. Es braucht aber auch eine Portion Mut, um ins Netzwerken zu kommen, bzw. manchen mag das schwerer und manchen leichter fallen.

Wie du für dich ins erfolgreiche Netzwerken kommen kannst, wollen wir dir nun an den folgenden Schritten zum richtigen Vernetzen aufzeigen:

Mentoring

Wenn es geht, suche dir eine*n Mentor*in als Basis. Das ist eine Person, die dich in die Branche einführt, dir zeigt, wie alles geht und dich interessanten Leuten vorstellt. Das kann deine Chefin, ein bereits höherstehender Kollege, eine Koryphäe der Branche oder des Fachgebiets sein, oder jemand, der einfach schon lange dabei ist und sich auskennt.

Von seinen Erfahrungen und seinem Insiderwissen kannst du einiges lernen, vor allem, welche Fehler du im Vorhinein meiden solltest und welche Herausforderungen dich erwarten. Wichtig beim Mentoring ist aber auch, dass du dich irgendwann von deinem Mentor oder deiner Mentorin lösen und auf eigenen Beinen stehen kannst. Um den Stand deiner Eigenständigkeit zu prüfen, kannst du dafür hin und wieder folgendes Gedankenexperiment durchführen: Stelle dir vor, was wäre, wenn dein*e Mentor*in auf einmal nicht mehr da wäre. Wie würde sich das auf deine Kontakte, deine Aufträge, deine Position auswirken? Würdest du dir zutrauen, alleine weiter zu kommen, oder bräche ein wichtiger beruflicher Halt für dich weg?

Selbstvertrauen

Um Kontakte zu bekommen, muss man auf Menschen zugehen. Und um auf Menschen zugehen zu können, braucht man Selbstvertrauen. Und tatsächlich auch einen kleinen Schuss Selbstüberschätzung. Der hilft dir nämlich bei Selbstzweifeln, dich nicht von dem, was du schaffen könntest, abhalten zu lassen. Von Präsentationen beispielsweise. Oder davon, alleine zu Geschäftsevents zu gehen und interessante Menschen anzusprechen. Aber beachte bitte: Selbstüberschätzung ist nur beim Kontakteknüpfen und um innere Hürden zu überwinden ratsam. Hast du die beruflichen Kontakte und versprichst Dinge, die du nicht halten kannst, gehst du natürlich baden. Du musst voll und ganz hinter dir stehen können und ehrlich zu dir selber sein.

Wie macht sich Selbstvertrauen im Netzwerken bemerkbar? Tatsächlich meistens dadurch, dass Neid dir als Ansporn zu besserer Leistung dient, oder dir klar macht, wo deine eigenen Talente liegen und wo du für dich ansetzen kannst. Selbstvertrauen hat nämlich die positive Eigenschaft, uns zum tieferen Sinn unserer negativen Gefühlen vordringen zu lassen. Und es wird größer, je mehr Kontakte du knüpfst und je mehr Erfahrungen im Networking du sammelst.

Wo beginnen?

Wie kannst du also ins Netzwerken kommen? Du kannst auf Seminaren, Workshops und Kongressen Menschen aus deiner Branche ansprechen und dich austauschen. Eine weitere Möglichkeit ist, dich zum Vorreiter oder zu Vorreiterin für deine Firma zu machen und Corporate Influencer*in zu werden. Das bedeutet, dass du in sozialen Netzwerken für deinen Arbeitgeber auftrittst. Du postest über Neuigkeiten und relevante Themen, erstellst themenspezifische Gruppen und Seiten und sprichst gezielt Branchenmitglieder und Zielgruppen an. Zugegeben, etwas Überwindung könnte erforderlich sein, aber als Corporate Influencer*in bieten sich dir eine Menge persönlicher Vorteile: Durch das Pflegen der jobspezifischen Inhalte lernst du kontinuierlich über dein Arbeitsfeld dazu. Nicht zuletzt auch über das Who is who deiner Branche. Und du bist zusätzlich in vielen anderen Online-Netzwerken unterwegs woraus sich möglicherweise die Gelegenheit ergibt, neue und interessante Menschen kennen zu lernen. Immerhin trittst du hier als Person in Erscheinung und die Expertise, die du online zeigen, wird mit dir in Verbindung gebracht werden. Das steigert deine wahrgenommene Kompetenz, dein Nutzenangebot und somit deinen Marktwert.

Übe dich in Storytelling

Keine Angst, das hat nichts mit Märchenerzählen zu tun. Du erzählst in deiner Internetpräsentation und beim Knüpfen neuer Kontakte einfach deine authentische, persönliche Geschichte. Denn einige Schlüsselereignisse deines Lebens werden dich ja dazu gebracht haben, deinen Beruf zu ergreifen und ihn gut ausführen zu können. Gib diese Ereignisse also so wieder, dass sie ein klares Bild von dir, deinen Zielen und deinen Ansprüchen wiedergeben. Nur so wirst du nämlich wirklich gesehen werden und auch überzeugen. Beachte aber bitte dabei, dass du hier natürlich nur das Wesentliche wiedergibst, so wie ein Roman oder eine Kurzgeschichte sich ja auch nur auf Wesentliches konzentriert und zu einem kohärenten Bild zusammenflicht. Schreibe dazu einmal alle deine Erfahrungen, Stärken, Ziele und Kompetenzen auf, die dich in deine berufliche Position geführt haben. Und nun schreibe daraus eine kleine Geschichte: Wie hast du angefangen und was war schon von Anfang an vorhanden oder für dich wegweisend? Wie bist du diesen Weg weiter gegangen, wie haben deine Umwege, Irrtümer und Misserfolge letztendlich zu ihm beigetragen? Alles, was deine Persönlichkeit und berufliche Entwicklung deutlich und spannend nachvollziehbar macht, gehört mit hinein.

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Mit deiner persönlichen Geschichte, im Sinne des Storytellings, wird es dir leichter fallen, selbstbewusst auf Menschen zuzugehen und zu zeigen, wer du bist und was du möchtest. Und sie für deine Ideen zu gewinnen. Und auch Fehler und Negatives ergeben so mit ein kohärentes Bild von dir als Menschen und deiner Stärken, denn du hast sie ja irgendwie gemeistert. Und wertvolle Lehren für deinen weiteren Weg daraus gezogen, von denen andere auch profitieren können.

Übe dich auch als Introvertierter im Netzwerken

Wenn du eher der introvertierte Typ bist und die Worte „sich zeigen“ und „Leute ansprechen“ bei dir leichtes Grausen auslöst, kannst du dennoch beim Netzwerken punkten. Konzentriere dich einfach auf deine Stärken, z.B. auf dein tiefgehendes, fundiertes Wissen über bestimmte Bereiche. Damit fällst du auch bei großen Events als interessanter Gesprächsthemen auf. Auch über die Karrierenetzwerke XING und LinkedIn (dazu mehr in Teil 2) oder über Social Media ist es möglich, Kontakte zu knüpfen und dort kannst du von zuhause aus in ausführlichen Texten mit deinen Fähigkeiten glänzen. Als Introvertierter kann dir gut vorbereitetet Storytelling helfen, denn in Gesprächssitutationen hast du so dein „Skript“ immer zur Hand.

Qualität statt Quantität deiner Kontakte

Einfach nur irgendwen ansprechen und irgendwelche Kontakte knüpfen ist nicht ratsam. Du möchtest dich mit deinen Kontakten ja gut verstehen und Zufriedenheit dabei verspüren, sich gegenseitig zu unterstützen.

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Außerdem sollten deine beruflichen Kontakte in ähnlichen Branchen arbeiten, sowie ähnliche Interessen wie du verfolgen. Denn nur so könnt ihr durch Zusammenarbeit eure jeweiligen Ziele erreichen.

Zusammenfassend kann man sagen: Netzwerken ist für das berufliche Fortkommen wichtig. Nicht nur, um Informationen über die eigenen Chancen zu bekommen. Sondern auch, weil es inspirierend und eine positive Erfahrung ist, Menschen mit den gleichen Interessen zu begegnen und ihnen zu helfen, sowie Hilfe zu erfahren. Und weil das langfristig unser Selbstbewusstsein und unsere Lebenszufriedenheit steigert. Also, keine Angst vor den Mitspieler*innen da draußen: Mische einfach mit und netzwerke dir einen erfolgreichen Freundeskreis. So schärfst du zugleich dein eigenes berufliches Profil.

Im zweiten Teil werden wir dir zeigen, wie du die Online-Karrierenetzwerke XING und LinkedIn für dich richtig nutzen kannst. Viele der Schritte aus Teil 1 lassen sich auch dort problemlos anwenden.


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